Heute am 5. März 2026 wird in Nepal gewählt und es ist eine der Wichtigsten Wahlen in der noch jungen Demokratie in Nepal. Diese Wahlen werden entscheiden ob sich grundlegend etwas zum positiven in Nepal ändert oder ob alles wieder wird wie zuvor.
In Nepal wird ein neues Parlament gewählt. 275 Abgeordnete ziehen ins Unterhaus ein und selten habe ich hier im Land eine Wahl erlebt, über die so viel gesprochen und diskutiert wird.
Ich merke im Alltag deutlich: Die Stimmung ist politischer, intensiver und emotionaler als sonst. In Cafés, beim Gemüsehändler, mit dem Taxi Fahrer, in Familienrunden, einfach überall geht es um die gleiche Frage: Bleibt alles beim Alten oder beginnt wirklich etwas Neues? Selbst Bijay und ich haben unterschiedliche Meinungen und liefern uns so einige Diskussionen untereinander.
Die Wahl wurde vorgezogen, nachdem es massive Jugendproteste im Septenber gab und KP Oli zurückgetreten musste. Seitdem führt eine Übergangsregierung das Land. Viele junge Menschen haben genug von Korruption, Vetternwirtschaft, fehlenden Jobs, keinerlei Zukunft und dem Gefühl, dass sich politisch einfach nichts bewegt
Und genau diese Frustration prägt jetzt den Wahlkampf
Im Mittelpunkt steht vor allem Balen Shah, den hier fast alle nur „Balen“ nennen.
Der ehemalige Bürgermeister von Kathmandu und studierter Ingenieur, ist für viele junge Menschen ein echtes Symbol des Wandels. Er spricht Klartext, wirkt unabhängig und verspricht Reformen, weniger Korruption und mehr Chancen für die junge Generation. Gerade in den Städten ist seine Unterstützung enorm. In Kathmandu hat er in den vergangenen Jahren sehr viel bewirkt und die Stadt hat sich sehr zum positiveren entwickelt, was ich selbst bestätigen kann.
Die wichtigsten Kandidaten und Parteien der Nepal Wahlen sind
Balen mit der Rastriya Swatantra Party (RSP) gemeinsam mit Rabi Lamichhane
Die Schwerpunkte sind:
- Anti-Korruption
- moderne Verwaltung
- Chancen für junge Menschen
- unabhängige Außenpolitik
Balens Popularität ist besonders in den Städten enorm. Viele sehen in ihm Hoffnung auf echten Wandel. Rabi Lamichhane ist Vorsitzender der RSP. Früher als TV-Journalist bekannt, ist er heute der strategische Kopf hinter Balen. Die Beiden gelten aktuell als stärkste neue politische Kraft in Nepal. Rabi Rabi Lamichhane ist umstritten, weil er früher die US-Staatsbürgerschaft hatte und was juristische Fragen für seine politische Karriere in Nepal aufwarf.
Harka Sampang Rai gilt als die Stimme des Volke
Harka ist Bürgermeister von Dharan und bekannt für seinen Einsatz für sauberes Trinkwasser, soziale Gerechtigkeit und die Interessen der einfachen Menschen. Er gilt als sehr bodenständig und es geht ihm darum die Bedürfnisse und Interessen der einfachen Menschen zu vertreten und auf lokaler Ebene konkrete Probleme zu lösen.
Harka ist aus der Rai Volkgruppe und somit in meiner nepalesischen Familie der Favorit.
Gleichzeitig gibt es natürlich weiterhin die großen traditionellen Parteien. Eigentlich jene, die in den Septembertagen aus Amt und Würde gestossen werden, da viele in Nepal sie als die Verursacher der Misere sehen.
Bahadur Deuba vom Nepali Congress setzt auf Erfahrung und Stabilität. Und auch die CPN UML versucht, mit bekannten Gesichtern und starken lokalen Netzwerken ihre Wählerbasis zu halten. Aber man spürt deutlich: Vor allem viele junge Menschen wollen nicht mehr zurück zum alten System.
Sher Bahadur Deuba steht für Erfahrung & Stabilität und repräsentiert die traditionelle politische Elite. Er steht für Erfahrung, politische Stabilität und klassische Koalitionspolitik und meist auf dem Land hat seine Partei noch viel Einfluss.
KP Oli & CPN-UML sind ebenso die alten Machtstrukturen und sie setzen mit alten bekannten Parteigrößen und auf ihre lokalen Netzwerke. Allerdings spürt man, dass die Partei viele junge Wähler an die Reformkräfte verliert.
Insgesamt sind knapp 19 Millionen Menschen wahlberechtigt. Es gibt noch viele kleine Parteien und Kandidaten mehr, die sich alle zur Wahl stellen. Selbst die Royalisten versuchen wieder ihr Glück.
Heute gib es, wie hier üblich kurzfristige Fahrverbote und erhöhte Sicherheitsmaßnahmen. Armee patrolliert schon seit gestern auf den Strassen. Erfahrungsgemäß normalisiert sich aber alles schnell wieder.
Was diese Wahl besonders macht, ist weniger die Zahl der Kandidaten, sondern die Stimmung im Land. Sie ist hoffnungsvoll, aber auch angespannt. Viele wünschen sich echte Reformen und glauben aber erst daran, wenn sie konkrete Ergebnisse sehen.
Eine absolute Mehrheit wird es nicht geben. Es wird sehr wahrscheinlich zu Koalitionsverhandlungen kommen. Und genau dort wird sich entscheiden, ob die Reformbewegung ihre Glaubwürdigkeit behält oder ob doch wieder politische Kompromisse dominieren.
Aus meiner persönlichen Sicht fühlt sich diese Wahl wie ein Wendepunkt an. Nicht, weil plötzlich alle Probleme gelöst werden, sondern weil so viele junge Menschen sich zum ersten Mal ernsthaft einmischen und Veränderung einfordern.
Ob es am Ende wirklich ein neues Kapitel für Nepal wird – das zeigt sich heute Abend.
Ich selbst habe natürlich auch einen Favoriten. Doch um mich geht es nicht. Ich kann nur sagen, dass meine Worte meine eigenen Ansichten sind, die weder richtig sein müssen, noch ein anderer teilen muss.
Aber eins kann ich sagen: Hier vor Ort spürt man deutlich, dass es diesmal um mehr geht als nur um Politik. Es geht um Vertrauen, Zukunft und die Frage, wohin sich dieses Land entwickeln soll.


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