Nepal Splitter – als Stromausfälle zum Alltag gehörten

Romantischer Kerzenschein mit flackerndem Licht. Der Tisch gedeckt mit leckerem Essen von Bijay gekocht. Typisch italienisch in Nepal, es gab Spaghetti Bolognese. Man könnte denken wir veranstalten ein Candle light Dinner.

Leider täuscht Ihr Euch. Was hier wie geplant romantisch aussah war schlicht und einfach die pure nepalesische Realität, denn wir hatten damals keine Wahl. Stromausfälle in Nepal gehörten dazu, wie der Reis zum Das Bhaat.

Willkommen in Kathmandu mit Batti Gayo, wörtlich übersetzt: das Licht ist gegangen. Und wer glaubt so ein Batti Gayo kündigte sich diskret an, der irrt gewaltig. Die Stromabschaltungen hatten einen festen Terminplan, auf den man sich damals in Nepal mehr verlassen konnte als auf alles andere im Land.

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Batti Gayo wurden die Stromabschaltungen in Nepal genannt und aus einem normalen Abendessen wurde ein Candle light Dinner

Noch bis 2018 war Strom für einen kompletten Tag das Wunschdenken vieler Nepalesen. Und dabei ist Nepal reich an Wasser. Die gewaltigen Flüsse des Himalayas haben ein enormes Wasserkraft Potential und Energie gibt es eigentlich im Überfluss. Nur leider mit einem jahrelangen Missmanagement waren die Verantwortlichen schuld, dass in Nepal nicht immer Strom aus der Steckdose floß.

Besonders die trockenen Wintermonate, Dezember bis Februar, hatten es in sich. Ich erinnere mich noch daran, dass sechs Stunden Strom am Tag, verteilt auf zwei Einheiten, keine Seltenheit waren. Drei Stunden nachts und drei Stunden am Tag, fein säuberlich verteilt als Geschenk der Energie Behörde.

Wer gut beraten war, hatte Kerze, Taschen – und Stirnlampe immer parat, sobald es dämmerte.

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Selbst beim kochen in der Küche abends, war die Stirnlampe hilfreich

Dabei lief das Ganze super geordnet ab. Selbst als Deutsche, die Perfektionismus oft verinnerlicht haben, war ich immer wieder fasziniert, wie pünktlich das ablief. Und Pünktlichkeit in Nepal ist ein Thema was ganze Enzyklopädien füllen würde. Termine und Pünktlichkeit sind hier im privaten Bereich eher eine grobe Angabe als ein genaues Versprechen.

Nur beim Strom abschalten fand man keine Gnade mit der eigenen Großzügigkeit gegenüber der Zeit.

So veraltet das Energie Management geführt wurde, um so moderner was das Drumherum. Der Trick dabei? Kathmandu und alle anderen Regionen in Nepal, wurden in Zonen aufgeteilt. Jede Zone hatte seinen eigenen Abschalte Plan. So wurde die Stadt nicht gleich komplett dunkel, sondern hübsch gestaffelt. Im Internet konnte man damals nachsehen, wann es im eigenen Bezirk so weit war.

Uraltes und bescheidenes Energie Management, aber hypermoderne Begleitmusik als Notlösung – Nepals Stromversorgung in einem Satz.

Buchstäblich auf die Minute wurde es dunkel und kam der Strom auch wieder zurück. Hatte es doch einmal einige Minuten länger gedauert, gabs dafür natürlich eine plausible Erklärung. In der Nachbarschaft kursierte das Gerücht, dass der Mann am Schalter wohl zu tief ins Raksi Glas geschaut hatte. Anfangs habe ich es ignoriert und fand es abenteuerlich. Ich habe mich ständig aufs Neue überraschen lassen. Meist hat man eine wichtige Beschäftigung, wenn der Strom plötzlich weg ist und dann beginnt das Gesuche nach irgendeiner Lichtquelle.

Es war nicht immer lustig, wenn nach jedem Stromausfall eine Zehe blau war. Und weil analog dann doch langsam aus der Mode kam, gab es damals schon Apps, die 10 Minuten vorher brav eine Warnton von sich gaben. Licht geht gleich aus oder kommt gleich wieder.

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Selbst unser Besuch damals konnte sich überzeugen, dass Mikado bei wenig Licht viel mehr Spass macht

Und dann saß man da im Dunklen oder halt ohne Energie. Zwangsläufig musste eine Idee her, wie die Zeit herumzubekommen ist. Bei Bijay und mir hieß es meist Mikado spielen- unser Klassiker vieler stromloser Stunden neben vielem ernsthaften oder albernen Gesprächen. Kaum kam der Strom zurück war es vorbei, denn alles lief auseinander und tat, was er zuvor tat.

Ich erinnere mich noch, dass wir zu dieser Zeit einen richtigen Plan für uns hatten, wann wir unsere Geräte laden, Staub saugen oder eine große Datei aus dem Internet herunterladen, denn mobiles Internet steckte noch in den Kinderschuhen.

Letztendlich war noch die Sache mit dem Wasser. Dafür brauchen wir bei uns in Nepal viel Energie. Das wird von unten hoch auf das Dach gepumpt und füllte eine mega große Wasser Tonne. Aber war die Tonne leer und es war gerade Batti Gayo war es Essig mit Wasser. Besonders unangenehm, wenn man mit dem ganzen Staub Kathmandus nach Hause kam. Deshalb stand immer! Ein Eimer Wasser bei uns im Bad.

Geschäfte und Hotels hatten alle Generatoren. Die liefen mit Diesel und waren nicht zimperlich was Lärm und Gestank betraf. Wir hatten uns einen kleinen Generator zugelegt, mit dem wir den Laptop etwas am Leben halten konnten und einen Film – damals noch auf CD – sehen konnten.

Romantisch war das Kerzenlicht also nur auf den zweiten Blick. Auf dem ersten war es eine ziemlich zuverlässige nepalesische Alltagsrealität.

Heute sind die ganzen Stromausfälle in Nepal Geschichte. Ab und an geht das Licht noch mal aus, aber dann nicht länger als ein paar Minuten. Nepals Energie Management lag die letzten Jahren in extrem fähigen Händen und aus einem maroden und korrupten Unternehmen, wurde ein gewinnbringendes Unternehmen. Heut zu Tage verkaufen sie reichlich Energie nach Indien und es bleibt noch mehr als genug für die eigene Bevölkerung. Nebenbei gesagt, träumen wir in Deutschland von den Strom Preisen in Nepal.

Ehrlich vermisse ich ab und an die Zeit. Zum endschleunigen und einmal zusammenzusitzen, zu quatschen und einfach nur den tollen Abend oder Tage genießen.

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Familienzeit abends bei Dunkelheit in Kathmandu

Vielleicht ist genau das einer der Gründe warum wir beide uns in Nepal wohlfühlen. Auch jetzt ist es nicht immer bequem, nicht immer planbar und ab und an ganz schön chaotisch. Aber das genau macht es aus- die schönen Erinnerungen.

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